Der Millianshof und woher er seinen Namen hat…

Standort erfolgreicher Landwirtschaft seit dem 13. Jahrhundert

Rheidt im Gilgau war spätestens seit der Römerzeit ein bevorzugtes Acker- und Weidegebiet, auf das ab dem 3. Jahrhundert verdiente, römische Veteranen zur Errichtung von einträglichen Höfen gerne zugriffen.

Beim Bau der B59n wurde 2005, 1 km von hier entfernt, das Grab einer reichen Gattin solch eines Veteranen gefunden, wenige Jahre nachdem in Rheidt bereits 1990 die römische Jupiter-Säule von Heinrich Keulertz entdeckt worden war. Beides deutet im Zusammenhang mit anderen römischen Bodendenkmälern darauf hin, dass hier auf Gütern Landbau und Viehzucht bereits in gut organisierter Form möglich war.

Mit dem Brauch, schriftlich Verträge zu archivieren, war auch ab dem späten Mittelalter eine engmaschigere Rückverfolgung der Eigentümerverhältnisse und ihrer Wirtschaftweise möglich.

So ist Rheidt erstenmals 1109 urkundlich erwähnt, weil hier vom Kölner Erzbischof Friedrich I an das Severinsstift die Vogtei über 2 Grundstücke  in „reithe“ gegeben wurde.

Bevor es zur ersten Erwähnung unseres Hofes kam, war der Zisterzienserorden in dieser Gegend durch einige Schenkungen (z.B. Reimund von Gommershoven 1137) ansässig geworden und zeigte mit seinen Mönchen und Brüdern, wie auf dem gutem Lößboden jährlich beste Ernten durch nachhaltige Bewirtschaftung möglich waren.

Der Orden kaufte weitere Ländereien, in Rheidt erstmals 1282, und erhielt auch weitere Zustiftungen in der Nachbarschaft, so dass er mit bis zu 8 größeren Höfen eine Fläche von 800 ha Feld und Wald bearbeitete. Schon nach 80 Jahren begann man, die Höfe von Pächtern bearbeiten zu lassen und den Zehnten in Fronhöfen bzw. Grangien zu sammeln und in Köln (Kamperhof) zu vermarkten. Die Pachtzeit betrug in der Regel nur 12 Jahre, wurde aber oft um eine weitere Periode verlängert. So zogen viele Pächterfamilien von Hof zu Hof, auf denen man im Rückblick oft gleiche Namen findet.

Dieser Hof, zunächst in Urkunden mit „Rheidthof“ benannt, entstand allmählich ab 1302, denn anfangs wurden die Rheidter Ländereien vom kleinen und großen Mönchhof aus verwaltet. Mit den Gebäuden wuchs die bearbeitete Fläche auf zeitweilig 350 Morgen. Ein Teil stammt aus Käufen von den „Rittern von Hüchelhoven“ und „von Reifferscheidt“. 1369 pachtete ein Willem von Hüchelhoven ein Viertel davon.

Dann dauert es bis 1599, bis der Hof wieder in Urkunden auftaucht:  Der Pächter Jan Middel, ein Neffe eines Kamper Abts, „bauet“ hier auf 178 Morgen. Er stiftete den Hofnamen Middeljanshof, der sich durch urkundliche Übertragungsfehler später zu Millianshof wandelte. Noch 1659 liest man von Katharina Middel, die weiter auf dem Hof bleiben kann, weil sie den neuen Pächter Mathias Gatzen heiratet.

Die Pächter der Mönche hatten klare Vorgaben, wie auch nach schwachen Ernten für Saatgut gesorgt werden musste, Aufforstung nach Holzeinschlag  zu leisten war, Gräben und Bach sauber zu halten und Gebäude-Instandhaltung nachzuweisen war.

1697 bis 1775 ist eine berühmte Familie Pächter des Hofes: Adam Weidenfelt und später Sohn Caspar, Verwandte der am Mönchhof beheimateten Schulstifterin Odilia Weidenfeld. Aus dieser Familie gingen viele einflussreiche geistliche, wissenschaftliche und politische Persönlichkeiten hervor, darunter der Kölner Bürgermeister 1712-1730 Andreas Weidenfeld.

Ab 1700 erholte sich das Land nach den Kriegen allgemein. Das führte dazu, dass 1751 das Hauptgebäude erneuert wurde, nicht mehr nur in Fachwerk und Lehm, sondern mit gemauerten Außenwänden. Die Scheune und Ställe, die vormals an der Chaussee lagen, entstanden nun hinter dem Haus neu. Ein Wappen mit der Jahreszahl belegt dies im Innenhof. Die übrigen Kamper Zisterzienserhöfe wurden bis zur Französischen Revolution alle in ähnlicher Form renoviert, auch, damit ein verschließbarer Hof vor marodierenden Banden ( z.B. des Schinderhannes) Schutz bot.

Ein enormer Einschnitt kam mit der französischen Regierung, die unter Napoleon das linke Rheinland 1794 besetzte, und 1798 hier im „Departement Roer“ eine Verwaltung mit den Code Civil etablierte, was 1802 zur Säkularisation führte:

Alle kirchlichen Besitztümer wurden den Klöstern, Kirchengemeinden und Bistümern enteignet und zugunsten der Staatskasse an Bürger verkauft.

Die letzte Pächterfamilie Velder (heute noch in Vanikum ansässig) verließ den Hof. Über einen Agenten Neumannaus Köln wurde der Hof an Johann Lommeder aus Büsdorf veräußert.

Bis 1840 bewirtschaftet eine Familie Fischenich den Middeljanshof, der dann Besitz von Franz Leuffen wird. Nach wechselhaften Eigentumsverhältnissen unter seinen Kindern wird 1862 der Hof geteilt und von Karl Theodor (Nordhälfte) und Peter Josef (Südhälfte) jeweils eigenständig übernommen.

1880 kauft Hermann-Josef Esser aus Rheidt den Nordteil. K.T. Leuffen zieht auf den Fronhof zu Sinthern. 1888 verkauft auch der Bruder seinen Südteil an Herman-Josefs Bruder Christian Esser, der gerade Maria Helena Dorn geheiratet hat.

In diesem Zeitraumhatte sich im Rheinland der Zuckerrübenanbau etabliert, der in der Hackphase (Mai – Juni) und besonders in der herbstlichen Erntezeit viele Wanderarbeiter aus Holland und Polen in die Gegend holte. Nicht zuletzt dem Transport der verhältnismäßig reichen Rübenernten war (neben Kohletransport und militärischen Zwecken) der Bau der Bahnstrecke Bergheim-Rheidt 1897 mit späterer Fortsetzung bis Rommerskirchen 1907 zu verdanken.

Seit 1900 („Brandcorps“) gab es auch Feuerwehren: ab 1907 zwei Pflichtfeuerwehren in Rheidt-Hüchelhoven, ab 1909 den Kreisfeuerwehrverband. Ein großer Einsatz galt am 20.Mai 1920 dem Scheunen –und Kuhstallbrand am Millianshof, der durch einen Funkenflug der Werksbahn von PZ (Polenski & Zöllner) ausgelöst worden war. Diese Firma baute gerade am neuen Bahndamm hinter dem Hof, denn bislang war die Trasse ebenerdig angelegt.

Die Ehe von Christian Esser blieb kinderlos, so dass er 1921, inzwischen Wittwer, die Kinder seiner Schwester, Margaretha Mödder, gegen Altersversorgung zur Erbengemeinschaft einsetze. Die 5 Geschwister bezogen den Hof bis 1924, nachdem sie bislang am Lindenplatz einen kleineren Hof bewohnt hatten.

Auf dem Nordhof hatte inwischen Sohn Hubert Esser eine Familie gegründet und nach dem Krieg in den ersten Jahren die Rolle eines Ortsvorstehers inne. Neben 3 Töchtern hatte er einen Sohn Hermann Josef, den er nach dem Krieg zur Nachfolge ausbildete. Dieser starb jedoch 1978 bei einem Verkehrsunfall. So wurde der Betrieb von Sinthern aus vom Verwalter der dort verheirateten Schwester Adelheid bis 2005 bewirtschaftet.

Ab 1926 haben sich die Geschwister Mödder ihrerseits um einen Südhof-Nachfolger unter ihren Neffen, den Söhnen vom Kölner Bäckermeister Christian Mödder, bemüht. Hermann und Heinz zogen noch als Schüler nacheinander nach Rheidt, besuchten das Bergheimer Gymnasium und erprobten Neigung und Eignung als künftige Landwirte. Beide aber zogen sich bald zurück und ein Studium in Köln vor. So kam die Reihe an ihren jüngsten Bruder Karl. Der wechselte nach der Quarta 1929 zum Rheidter Hof und ging dann zur landwirtschaftlichen Mittelschule nach Kleve. In den Ferien und nach der mittleren Reife arbeitete er am Hof, wo damals 3 Silos gebaut wurden. Neben Ackerbau mit Getreide, Kartoffel- und Rübenanbau wurde noch  Grünfutter für Pferde und Milchvieh geerntet. Geflügel, Ziege und ein Hofhund gehörten zum Inventar aller Höfe.

Schon 1936 wurde Karl kurz zum Reichsarbeitsdienst, gefolgt vom Wehrdienst, eingezogen und geriet unmittelbar darauf in den ersten Kriegseinsatz in Polen. Erst nach 11 Jahren in Uniform kam er aus französischer Gefangenschaft wieder auf den Hof.

Hier galt es, den Betrieb zu mechanisieren, die Pferde und fehlendes Personal durch Traktoren und Maschinen zu ersetzen und die Gebäude anzupassen. 1952 heiratete er Rotraut Eppelt, die auch in bäuerlicher Hauswirtschaft ausgebildet war. 1958 wurde sie Meisterin und konnte Lehrlinge ausbilden.

Ab 1962 wechselten beide die Viehhaltung. Sie bauten die Ställe um für Legehennenhaltung zur Selbstvermarktung. Ihre 5 Jungen lernten früh, Eier zu sortieren, zu verpacken, zu verkaufen, das Schlachten, Ausliefern und Tierpflege, aber auch Reiten. Nebenher wurden Kontakte für internationalen Jugendaustausch genutzt. Eine französische Partnerfamilie waren die Colaches, deren Vater einer der Chefs der Gemüsegenossenschaft Bonduelle war.

Nachfolger am Millianshof wurde  der 2. Sohn Raimund, der als Agraringenieur mit seiner Frau Brunhilde aus Mechernich-Hostel ab 1982 den Betrieb überahm.

Er baute den Geflügelhof aus, in dem ein Hofladen mit vielfältigerem Geflügel- und Schweinefleisch, hausgefertigten Nudeln, ersten  Bio-Angeboten und Kartoffel-Gemüse-Obst-Theke eröffnet wurde.

Auch er baute diverse Hofteile um und an, eine moderne Halle und ein Schlachtraum kamen dazu.

2005 konnten beide dann den Nordteil des Hofes dazukaufen und Wohngebäude und Stallungen modernisieren. Dort entstanden mehrere Wohnungen, Monteur-Apartments und eine Schreinerwerkstatt. Der Essersche Kuhstall wurde zu einem kleinen Fest- und Versammlungssaal.

Diverse TV-Sender drehten dort zu Küchen- und Agrar-Sendungen, Kinder lernten vieles über Tierhaltung und Natur sowie schonende Bauernprodukte. Viele Auszubildende und internationale Praktikant*innen verbrachten hier wichtige Monate und Jahre.

Ab hier ist der aktuelle Auftritt mit der geschichtlichen Darstellung mit 1-3 Sätzen zu verbinden.

2016 übernahm Raimunds 1. Sohn, Karl Christian Mödder (benannt nach seinem Großvater), mit seiner Frau Sandra aus Korschenbroich-Liedberg den mittlerweile gewerblichen Teil des Betriebes. An den Erfolg der Eltern im Hofladen konnte angeknüpft werden. Der Laden wurde an manchen Stellen modernisiert und wird seitdem mit einem Team von Verkäufer*innen weitergeführt.

Zudem legte Brunhilde Mödder den Grundstein für ein Hofcafé, welches im Zuge der Hofsanierung erweitert und ausgebaut wurde. Von nun an wurden im Hofcafé nebenan Gäste empfangen. Man kann dort frühstücken (à la carte und Buffet am Wochenende) und einen Mittagstisch sowie hausgemachte Kuchen und Kaffee gibt es dort auch.

Die Kinder können derweil auf dem Spielplatz spielen oder die verschiedenen Tiere anschauen.

Ab 2020 übernahm Karl auch die Landwirtschaft des Vaters. Dort konzentrieren sich Vater und Sohn bereits seit längerem auf die mobile Freilandhaltung von Legehennen und die Geflügelmast (Hähnchen, Puten, Gänse, Enten). Der Vertrieb der Produkte findet seit 2018 ebenfalls über einen Automaten statt, welcher jederzeit erreichbar ist.

Nach wie vor arbeiten Vater und Sohn in der Landwirtschaft eng zusammen.

Wir sind gespannt was als nächstes passiert…

PS: Bei uns im Hofcafé gibt es Bücher, in denen alles nochmal nach zu lesen ist.

An unseren Hoffesten und am Tag des Denkmals sind historische Führungen und Vorträge Teil des Programms.